(LWI 08-01-2008) Oeffentlicher Akt der Busse: LWB-Praesident Hanson waescht Fuesse von HIV-positiven Frauen

Dirk-Michael Grötzsch dmg at lutheranworld.org
Wed Aug 6 05:11:29 CDT 2008


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Oeffentlicher Akt der Busse: LWB-Praesident Hanson waescht
Fuesse von HIV-positiven Frauen

Menschen mit HIV und AIDS anwaltschaftlich begleiten und in
religioesen Gemeinschaften willkommen heissen

Mexiko-Stadt (Mexiko)/Genf, 6. August 2008 (LWI) - In einem
oeffentlichen “Akt der Demut und Busse” hat Bischof Mark S.
Hanson, Praesident des Lutherischen Weltbundes (LWB) und
Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika
(ELKA), zwei HIV-positiven Frauen die Fuesse gewaschen. “Ich
bin absolut davon ueberzeugt, dass wir als leitende
Religionsvertreter und -vertreterinnen und in unseren religioesen
Gemeinschaften Menschen mit HIV und AIDS so sehr gemieden und
beschaemt haben, dass wir zuerst damit beginnen muessen,
oeffentlich um Vergebung zu bitten. Ohne oeffentliche Akte der
Busse, fuerchte ich, wird unseren Worten kein Vertrauen geschenkt
werden”, betonte Hanson waehrend der Oekumenischen Vorkonferenz
der 17. Internationalen AIDS-Konferenz (IAK). 

An der Konferenz vom 3. bis 8. August 2008 in Mexiko-Stadt
nehmen nach Angaben der OrganisatorInnen ueber 20.000
WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen und VertreterInnen von
Pharma-Unternehmen, Kirchen, Nichtregierungsorganisationen sowie
Betroffenenorganisationen teil. 

Oeffentliche Akte, so Hanson, koenne auch heissen, sich auf HIV
testen zu lassen, Menschen mit HIV und AIDS anwaltschaftlich zu
begleiten und in den religioesen Gemeinschaften willkommen zu
heissen. Wichtig sei dabei, Menschen, die mit HIV und AIDS leben,
nicht als “Objekte unseres Mitgefuehls” zu sehen, sondern als
vollwertige Mitglieder und LeiterInnen der religioesen
Gemeinschaften.

Sexualitaet offen ansprechen

Volle Einbeziehung von Menschen mit HIV und AIDS koenne nur
erreicht werden, wenn leitende ReligionsvertreterInnen bereit
seien, offen ueber ihre eigene Sexualitaet zu sprechen und nicht
ueber die Sexualitaet anderer, die homosexuell, bisexuell oder
transgender seien, so Hanson. “Wenn wir es ernst meinen mit dem
Ende von Diskriminierung und Stigma muessen wir die Auffassung
ablehnen, dass die menschliche Sexualitaet ein
kirchendefinierendes und daher kirchenspaltendes Thema ist”,
erklaerte er. “Das Evangelium Jesu Christi definiert die
Kirche, nicht Sexualitaet.”

Die vornehmlich maennlichen Religionsfuehrer muessten einander
schwierige Fragen stellen: Fragen zu ihrer Predigt und Lehre, zu
ihrem Verstaendnis von Gott, so Hanson. Es muesse hinterfragt
werden, wie all dies zur Diskriminierung von Frauen beigetragen
habe und dazu, dass Frauen nicht nur in der Gesellschaft als
zweitrangig angesehen wuerden, sondern auch in den religioesen
Gemeinschaften.

“Wagen wir es, so radikal in unser Liebe und Gnade und in
unseren Handlungen zu sein, wie Jesus?”, fragte Hanson die
oekumenischen Delegierten. 

Verantwortung der leitenden ReligionsvertreterInnen

Eine der Frauen, deren Fuesse Bischof Hanson wusch, war Sophie
Dilmitis vom Weltbund der Christlichen Vereine Junger Frauen
(World YWCA). In ihrer Ansprache teilte Dilmitis mit den
Teilnehmenden der Oekumenischen Vorkonferenz ihre Vision einer
partnerschaftlichen Beziehung zwischen leitenden
ReligionsvertreterInnen und Menschen mit HIV und AIDS. 

“Leitende Religionsvertreter und -vertreterinnen haben den
Schluessel, Schande und Schuld, die das Immunsystem zerstoeren,
zu beenden. Sie koennen Viren wie Stigma und Schweigen
bekaempfen”, erklaerte sie. Wenn Leitende
ReligionsvertreterInnen aufstuenden und diese schwierigen Themen
anspraechen, koennten Dinge sich langsam veraendern.
Moeglichkeiten zur Zusammenarbeit sollten wahrgenommen werden,
betonte Dilmitis. Leitende ReligionsvertreterInnen haetten die
Verantwortung, andere Menschen in Leitungsfunktionen
herauszufordern, Risiken einzugehen und sich solidarisch mit
HIV-positiven Menschen zu zeigen.

(Ein Beitrag von LWI-Korrespondentin Julia Heyde.)

Mehr Informationen zur Oekumenischen Vorkonferenz zum Thema
“Glaube in Aktion - Jetzt!” und zur Beteiligung
christlicher Gruppen und Organisationen an der IAK finden Sie
unter: http://iac.e-alliance.ch 

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