(LWI 08-07-2008) FEATURE: Ein Stueck Land zum Leben
Dirk-Michael Grötzsch
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Fri Aug 8 13:38:17 CDT 2008
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FEATURE: Ein Stueck Land zum Leben
LWB/AWD-Laenderprogramm im Sudan unterstuetzt Wiederansiedlung
von Rueckkehrenden
Ikotos (Suedsudan)/Genf, 8. August 2008 (LWI) - Vier staubige
Fahrzeuge mit Allradantrieb, vollbesetzt mit Menschen und bepackt
mit ihren Habseligkeiten, halten auf dem “Freedom Square” der
kleinen, entlegenen Stadt Ikotos im Suedsudan. Auf dem
gegenueberliegenden Grundstueck ist ein Wasserbohrtrupp der
Abteilung fuer Weltdienst (AWD) des Lutherischen Weltbundes (LWB)
dabei, eine neue Trinkwasserversorgung zu bauen.
Die Neuankoemmlinge sind Teil der ersten organisierten
Rueckfuehrung nach Ikotos, das am Fuss des Grenzgebirges zwischen
dem Suedsudan und Uganda liegt. Kein offizielles Empfangskomitee
erwartet sie, aber Verwandte und NachbarInnen aus einer Zeit, die
Jahre oder gar Jahrzehnte zurueckliegt, haben sich, gemeinsam mit
neugierigen Kindern und Jugendlichen, eingefunden.
Einige waren schon kurz nach dem Schluss des umfassenden
Friedensabkommens zwischen Nord und Sued im Jahr 2005
zurueckgekehrt, aber der Grossteil der Rueckkehrwelle folgte in
den Jahren 2007 und 2008. Ein Teil der sudanesischen Fluechtlinge
organisierte die Heimkehr selbst, ohne Unterstuetzung aus den
Fluechtlingslagern in Kenia und Uganda, und noch viele mehr
kehrten aus anderen Regionen des Sudan zurueck. Hunderttausende
Rueckkehrende waren es insgesamt, die teils als Fluechtlinge,
teils als Binnenvertriebene galten.
In dem in den 1980er Jahren ausgebrochenen Krieg zwischen der
Regierung in Khartum und bewaffneten Gruppen im Sueden, die um
politische und wirtschaftliche Autonomie ihrer Region gegenueber
dem Norden kaempften, wurden im Suedsudan drei bis vier Millionen
Menschen vertrieben. Exakte Zahlen sind kaum zugaenglich. Der
Hohe Kommissar der Vereinten Nationen fuer Fluechtlinge (UNHCR)
unterstuetzte nach eigenen Angaben bis April 2008 die
Rueckfuehrung von 24.000 Fluechtlingen.
Die 16 neu angekommenen Familien - etwa 90 Menschen - haben eine
fuenftaegige Fahrt aus einem Fluechtlingslager in Norduganda
hinter sich. Sie stehen am Beginn ihres neuen Lebens zu Hause.
“Ich freue mich wirklich sehr, wieder zu Hause zu sein”,
erklaert Margaret Abou (45), die gemeinsam mit ihrem Mann und
sechs Kindern angekommen ist. “Ich habe andere die Rueckkehr
antreten sehen und jetzt sind wir auch endlich hier. Ich habe
meine Heimat vor 25 Jahren verlassen.”
Ihren Mann, Mario Jamo Abou, lernte sie in dem ugandischen
Fluechtlingslager kennen, dort heirateten die beiden auch.
Gemeinsam mit ihren fuenf Kindern und einem Enkelkind sind sie
nun zurueck in Ikotos.
“Wir wollen daran glauben, dass jetzt wirklich Frieden ist”,
betont Margaret und schaut sich angestrengt nach Verwandten oder
anderen um, die sie kennen koennte. Das Paar plant nun zunaechst,
ein Stueck Land zu finden und sich dort niederzulassen,
hoffentlich in der Naehe einer Schule.
Die meisten zurueckkehrenden Familien erhalten Unterstuetzung
von Einheimischen. Die Abous wissen jedoch noch nicht, wo sie die
erste Nacht verbringen werden. Die Kontaktperson, die sie
erwartet hatten, ist nicht gekommen, aber schliesslich laesst
sich das Problem loesen und jemand bietet ihnen fuer die Nacht
eine Unterkunft und etwas zu essen an. Es wird zweifellos noch
viele weitere Naechte dauern, bevor die oertlichen Behoerden
ihnen Baugrundstuecke zuweisen koennen. Das Land, das ihnen
frueher gehoerte, haben waehrend des zwei Jahrzehnte andauernden
Buergerkriegs andere uebernommen und steht nicht mehr zur
Verfuegung.
Unterstuetzung durch den LWB
Die Vereinten Nationen stellen fuer die Anfangszeit
Grundnahrungsmittel zur Verfuegung, das Laenderprogramm des LWB
im Suedsudan seinerseits steuert sonstige Hilfsmittel, etwa
Decken, Moskitonetze, Waschmittel, Kanister und Hacken bei.
Am Rand von Ikotos baut John Lokanyum (21) ein traditionelles
“Tukul”-Haus fuer sich, seinen Bruder und seine
Schwaegerin. Er verliess die Stadt 1999 und kehrte im Januar 2008
auf eigene Faust freiwillig aus dem Lager Kyradongo in Uganda
zurueck.
“Ich wollte unbedingt zurueck nach Hause und wollte nicht auf
die organisierte Rueckfuehrung warten. Ich hatte nach so langer
Zeit grosse Sehnsucht nach meiner Mutter”, sagt Lokanyum und
laechelt. “Sie lebte als Vertriebene unweit von hier in den
Bergen, ist aber inzwischen zurueck in Ikotos. Sie hat eine neue
Familie und ich habe inzwischen drei neue Geschwister”,
berichtet Lokanyum von den Veraenderungen, die die Jahre gebracht
haben.
Nur ein Stueck Land, sonst keine weitere Unterstuetzung, hat
Lokanyum nach seiner Rueckkehr erhalten. Er und sein Cousin
Dominique, der ebenfalls ein Rueckkehrer ist, helfen einander
gegenseitig beim Bau ihrer Tukuls, aber es fehlen ihnen manche
Werkzeuge und jetzt vor der Regenzeit auch landwirtschaftliche
Geraete.
Godfrey Anyanzo, LWB/AWD-Nothilfekoordinator in Ikotos, hat gute
Nachrichten fuer John: Bis zu 4.000 Familien in der Stadt sollen
mit Unterstuetzung des australischen Hilfswerkes Australian
Lutheran World Service (ALWS) Saatgut und Geraete erhalten.
Dominique und die Familien, die aus Uganda zurueckgekehrt sind,
werden in den Genuss dieser ALWS-Hilfe kommen.
Belastung fuer die Grundversorgung
LWB-Vertreter Dr. Messeret Lejebo im Sudan sieht die wesentliche
Herausforderung fuer die Arbeit im Suedsudan in der Verbesserung
der Koordination zwischen der Regierung des Suedsudan,
UN-Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, Kirchen und der
sudanesischen Zivilgesellschaft. “Es geht nicht wirklich um
einen Wiederaufbau - der Tisch im Suedsudan ist nach mehreren
Kriegsjahrzehnten nahezu leergefegt”, so Lejebo.
Er verweist insbesondere auf die wachsende Belastung der sowieso
mangelhaften Grundversorgung in den aufnehmenden Gemeinwesen, in
denen taeglich Hunderte, ja manchmal Tausende RueckkehrerInnen
ankommen. “Wir erleben, dass in den Gemeinwesen die Sorge ueber
neue Spannungen und das Konfliktpotenzial waechst, das sich aus
dem Mangel an einem Minimum an sozialer Infrastruktur wie Schulen
fuer die rueckgefuehrten Kinder, Wasser, grundlegende
medizinische Versorgung und Materialien wie landwirtschaftliche
Geraete, Moskitonetze und Kanister ergibt.”
Die Aktivitaeten der LWB/AWD in Teilen des Suedsudan von Mitte
der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre wurden vom damaligen
Programmbuero im sudanesischen Malakal aus geleitet. Nach
Jahrzehnten humanitaerer Hilfeleistung und Fluechtlingsarbeit in
den Nachbarlaendern Kenia und Uganda wurde im November 2007
erneut ein Sudanprogramm eroeffnet. Dieses Programm hat seinen
Sitz in Torit, der Hauptstadt der Provinz Ost-Aequatoria. (901
Woerter)
(Ein Beitrag von Tore Samuelsson, AWD-Programmreferent fuer
Ostafrika.)
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www.lwfkenyasudan.org
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