(LWI 08-09-2008) Gottesdienst und Mission sind zentrale Aufgaben der Kirche

Dirk-Michael Grötzsch dmg at lutheranworld.org
Fri Aug 8 14:54:00 CDT 2008


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Gottesdienst und Mission sind zentrale Aufgaben der Kirche

Gemeinsame Ausdrucksformen staerken Einheit aller ChristInnen  

Bossey (Schweiz)/Genf, 8. August (LWI) - “Kirche ist in erster
Linie Gottesdienst”, betonten die rund 20 internationalen
Teilnehmenden, die an der Konsultation zum Thema “Die ‘eine
heilige, katholische und apostolische Kirche’ - Reflektionen
ueber das Verstaendnis der Kirche in einem oekumenischen
Horizont” vom 12. bis 16. Juni im Oekumenischen Institut Bossey
bei Genf (Schweiz) teilnahmen. Jegliches Verstaendnis der Kirche
habe seinen Ansatzpunkt beim Gottesdienst. Kirche sei dann
Gottesdienst, wenn Menschen im Namen und in der Gegenwart des
dreieinigen Gottes zusammenkaemen und miteinander Gottesdienst
feierten. Dementsprechend seien alle weiteren Handlungen der
Kirchen, die sozialen Dienste der Kirche sowie ihre
organisatorischen und personalen Strukturen, der
gottesdienstlichen Feier gegenueber sekundaer. Zudem sei der
Gottesdienst der Massstab, an dem jedwede Aktivitaet ausgerichtet
sein sollte.

Die Konsultation bildete den Auftakt zu einem neuen
Studienprogramm der Abteilung fuer Theologie und Studien (ATS)
des Lutherischen Weltbunds (LWB), in dem die Formulierung aus dem
Bekenntnis von Nicaea-Konstantinopel “Wir glauben.... an die
eine heilige, katholische und apostolische Kirche” aus der
Sicht evangelisch-lutherischer Kirchen und der gegenwaertigen,
evangelischen Theologie im Mittelpunkt stehen. Laut
ATS-Studienreferent fuer Theologie und die Kirche, Pfr. Dr.
Hans-Peter Grosshans, stand die gesamte Bekenntnisfomulierung
fuer die evangelischen Kirchen der Gegenwart im Mittelpunkt der
ersten Tagung des Studienprogramms. Die Folgetagungen, die in
Suedamerika, Asien und Afrika stattfinden werden, sollen dann die
Bedeutung der vier Kennzeichen der Kirche - ihre Einheit,
Heiligkeit, Katholizitaet und Apostolizitaet - fuer die
evangelischen Kirchen der Gegenwart in den Blick nehmen.

Der Gottesdienst habe nach evangelischem Verstaendnis jedoch
eine zweifache Gestalt, unterstrich Prof. Dr. Eberhard Juengel
aus Tuebingen (Deutschland). Zum einen habe der Gottesdienst die
liturgische Gestalt und zum anderen die Gestalt eines
Gottesdienstes im Alltag der Welt, wie es im Neuen Testament im
Roemerbrief 12,1 heisst. Was eine einzelne Kirche im Sinne des
Bekenntnisses zur Kirche mache, sei die gottesdienstliche Feier
und der Dienst an der Welt, legte Juengel dar.

Kirche ist auf Erden notwendig

“Die Kirche ist auf Erden notwendig, damit das Heilswerk Jesu
Christi und das Wirken des Heiligen Geistes Gestalt gewinnt und
die Welt veraendert”, betonte Grosshans. Somit seien der Dienst
an Gott und an der Welt die zentralen Aufgaben der Kirche. Die
Konsultationsteilnehmenden arbeiteten heraus, dass die
reformatorische Theologie eine staerkere Betonung auf die
sichtbare Realisierung des dem Menschen zugesprochenen Heils
lege, als generell angenommen werde. Dabei komme es ihr darauf
an, jeglicher falschen Identifikation einer einzelnen Kirche mit
Jesus Christus entgegenzutreten. Denn nur dadurch werde
verhindert, dass eine Kirche selbstgenuegsam werde und ihre noch
nicht erfuellte Mission vergesse. 

Kirchliche Missionsaufgabe besteht weiter

Die US-amerikanische Pfarrerin Dr. Cheryl Peterson wies darauf
hin, dass die kirchliche Missionsaufgabe weiterhin bestuende,
durch die sich die Kirche allein auf die Zukunft hin orientieren
koennte, um nicht nur ihre Traditionen zu verwalten. Das Profil
der Kirche werde neben dem Gottesdienst somit besonders in der
Mission deutlich. 

Die Kirchen realisierten in mannigfachen Formen ihre
Missionsaufgaben, wie die Teilnehmenden feststellten: In den
Dialogen mit anderen Religionen, mit ihrem Diakonieauftrag durch
den Dienst am Menschen in Notsituationen und durch die
Umgestaltung der Welt sowie durch ihr prophetisches Amt im Blick
auf die Kritik an gesellschaftlich und international geschehender
Ungerechtigkeit und Luege. 

Es gehoere zur Mission der Kirche, durch die sie ihre Heiligkeit
realisiere, als ein “heiliges Instrument des Friedens und der
Gerechtigkeit” in der jeweiligen Gesellschaft zu wirken, hob
die sambische Pfarrerin Rolita Machila hervor. Kritisch wurde
angemerkt, dass dieser Aspekt der Mission in oekumenischen
Dialogen bisher selten beachtet wurde. 

Vermehrt Nicaenisches Glaubensbekenntnis sprechen

Die Frage, wie sehr die oekumenische Ausrichtung der
lutherischen Kirche in den LWB-Mitgliedskirchen mit ihren je
verschiedenen kulturellen und religioesen Kontexten deutlich
werde, beschaeftigte zudem die Teilnehmenden. Um zu
gewaehrleisten, dass vorhandene Ausdrucksformen von Einigkeit
nicht uebersehen wuerden, regten die internationalen TheologInnen
an, dass das Nicaenische Glaubensbekenntnis, das von den meisten
Kirchen geteilt werde, vermehrt von den Gemeinden gesprochen
werden sollte, da es eine sicht- und hoerbare Gemeinschaft mit
den ChristInnen anderer Konfessionen zum Ausdruck bringen koenne.
  

“Lutherische Ekklesiologie kann sich nur mit und keinesfalls
gegen die anderen Konfessionen entwickeln”, betonte Grosshans.
Diese Ueberzeugung spiegele sich auch darin wider, dass Vertreter
der baptistischen, der orthodoxen, der reformierten und der
roemisch-katholischen Theologie an der Konsultation teilgenommen
haben. 

Das Bekenntnis zur “einen heiligen, katholischen und
apostolischen Kirche”, wie es im Nicaenischen
Glaubensbekenntnis heisst, berge nach Auffassung der
Teilnehmenden grosses Potenzial fuer eine kritische
Weiterentwicklung lutherischer Ekklesiologie. Aus diesem Grund
werde in zwei weiteren Konsultationen, in denen das evangelische
Verstaendnis der Kennzeichen der Kirche - Einheit, Heiligkeit,
Katholizitaet und Apostolizitaet - auf dem Hintergrund der
konkreten Realitaet der Kirchen in ihren verschiedenen
kulturellen, religioesen und gesellschaftlichen Kontexten
ausfuehrlicher diskutiert. (761 Woerter)

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Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft
lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden)
gegruendet, zaehlt er inzwischen 141 Mitgliedskirchen, denen rund
68,3 Millionen ChristInnen in 79 Laendern weltweit angehoeren.

Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat
der Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen
in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe,
Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.

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