(LWI 08-10-2008) Auch Menschen mit HIV koennen Fuehrungsaufgaben uebernehmen
Dirk-Michael Grötzsch
dmg at lutheranworld.org
Fri Aug 15 09:55:49 CDT 2008
LWI online unter: www.lutheranworld.org/News/Welcome.DE.html
LUTHERISCHE WELT-INFORMATION
Postfach 2100, CH-1211 Genf 2, Schweiz
Deutsche Redaktion: Dirk-Michael Groetzsch
Tel.: +41-22-791-6352
Fax: +41-22-791-6630
E-Mail: dmg at lutheranworld.org
Auch Menschen mit HIV koennen Fuehrungsaufgaben uebernehmen
Podiumsdiskussion ueber interreligioesen Umgang mit HIV und
AIDS
Mexiko-Stadt (Mexiko)/Genf, 15. August 2008 (LWI) - “Ein Leben
mit Christus im Zentrum zu fuehren, bedeutet, den Menschen am
Rande der Gesellschaft nahe zu sein”, betonte Bischof Mark S.
Hanson, Praesident des Lutherischen Weltbundes (LWB) und
Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika
(ELKA), auf einer interreligioesen Podiumsdiskussion der 17.
Internationalen AIDS-Konferenz (IAK), die letzte Woche in Mexiko
zu Ende ging.
Hanson unterstrich, wie wichtig es sei, den Marginalisierten in
ihrem Streben nach Gerechtigkeit und nach voller Integration
beizustehen. “Ich bin es leid, von christlichen
Fuehrungspersoenlichkeiten zu hoeren: ‘Ich bin dazu berufen,
die Stimme der Stummen zu sein.‘ Wenn wir ruhig waeren,
koennten die, die wir stumm nennen, ihre Stimme finden, gehoert
werden und in die Gesellschaft aufgenommen werden”, erklaerte
er.
Dies bedeute, dass christliche Fuehrungspersoenlichkeiten ihre
Gemeinschaften dazu aufrufen, sich auch einer strengen
Selbstpruefung zu unterziehen und nicht nur Mitgefuehl zu zeigen.
Sie sollten ihre jeweilige Gemeinschaft fragen: “In welcher
Weise foerdern wir und leisten wir einen Beitrag zu patriarchalen
Gesellschaftsstrukturen, durch die andere ausgeschlossen
werden?”
Der LWB-Praesident bekraeftigte weiterhin seine Unterstuetzung
fuer interreligioese Arbeit und sagte, die Kirche solle sich mit
ihrer Kompetenz beschaeftigen, Gesellschaftsstrukturen,
diskriminierende Politik und stigmatisierende Verhaltensweisen zu
aendern. Dies bedeute, “dass wir willens sein muessen, in
unserer eigenen Glaubensgemeinschaft und in unseren Beziehungen
untereinander Spannungen auszuhalten, damit wir Machtstrukturen
aendern koennen”.
Der verwundete Heiler
Der baptistische Pfarrer Charles King aus New York (USA)
aeusserte Kritik daran, dass die Kirche sich wieder und wieder
dem Mainstream anpasse, anstatt sich mit den Raendern der
Gesellschaft zu beschaeftigen. “Das ist genau das Gegenteil von
dem, zu dem wir berufen wurden”, so King, Praesident der
Organisation Housing Works, die obdachlosen HIV-Infizierten
Unterkunft, medizinische Betreuung und Beschaeftigung bietet.
Die Faehigkeit und das Potenzial von Menschen mit HIV,
Fuehrungsaufgaben zu uebernehmen, sollten respektiert werden.
“Sie wissen, was am besten fuer sie ist, und sie koennen uns
zeigen, wie wir am besten mit ihnen zusammenarbeiten”, meinte
King. Er schlug vor, dass die Kirchen eine neue positive
Theologie entwickeln sollten, die einen wichtigen Gedanken
beinhalte: “Die Gestalt des verwundeten Heilers: Man muss fuer
die Moeglichkeit offen sein, dass die Menschen, denen man dient,
uns Heilung bringen. Um dafuer empfaenglich zu sein, muss man
akzeptieren, dass man selbst Heilung benoetigt”, sagte er.
Stimmen aus dem Islam und dem Hinduismus
Ehsan Matlabi, Programmassistent im iranischen Club Mashhad
Positiv, erlaeuterte, dass religioese Fuehrungskraefte und
WissenschaftlerInnen in seinem Land zusammenarbeiteten, um ein
umfassendes HIV-Praeventionsprogramm auszuarbeiten. Religioese
Fuehrungspersoenlichkeiten spielten eine wichtige Rolle bei der
Aufklaerung, meinte er. “Wir fragen sie: ‘Was sagt der Islam
ueber Menschen mit HIV? Was lehrt uns der Islam ueber den
Gebrauch von Kondomen als Mittel der Praevention?‘“
Dr. Richa Chopra vom International Art of Living Center in
Bangalore (Indien) stellte eine Yoga-Atemtechnik als
Praeventionsmittel fuer HIV und AIDS vor. “Sudarshan Kriya”
sei seiner Heiligkeit Sri Sri Ravi Shankar, dem Gruender des Art
of Living Centers, offenbart worden. Die Technik diene dazu,
Energie und Wohlbefinden zu befoerdern und Verhaltensaenderungen
der Menschen zu bewirken. “Religion faengt mit uns an. Deswegen
muessen wir zuerst an uns arbeiten, bevor wir anderen besser
helfen koennen”, betonte sie.
Zentrale Bedeutung der Einbeziehung religioeser
Fuehrungspersoenlichkeiten
In der Podiumsdiskussion bestand Bischof em. Dr. Gunnar Stålsett
aus Norwegen auf der Einbeziehung aller religioesen
Fuehrungspersoenlichkeiten in den Kampf gegen AIDS. “Wenn wir
die Imams, Scheichs, Bischoefinnen und Bischoefe sowie Gurus
nicht mit ins Boot holen, werden wir langfristig keinen Erfolge
haben”, sagte Stålsett, der von 1985 bis 1994
LWB-Generalsekretaer war. Er bemerkte, dass ein Wandel zwar
hauptsaechlich von informellen Fuehrungskraeften auf der
Basisebene bewirkt wuerde, die Einbeziehung offizieller
religioeser Fuehrungspersoenlichkeiten es aber zu einem
zusammenhaengenden Bemuehen werden liesse - “ein Bemuehen, in
dem wir Uebereinstimmung ueber trennende Linien, Laender und
Religionen hinweg feststellen”, fuegte er hinzu.
Nach Angaben der OrganisatorInnen der IAK in Mexico-Stadt nahmen
ueber 20.000 WissenschaftlerInnen, RegierungsvertreterInnen sowie
VertreterInnen der Pharmaindustrie, der Kirchen und von
Nichtregierungsorganisationen sowie AktivistInnen verschiedener
Gruppen an der alle zwei Jahre stattfindenden IAK vom 3. bis 8.
August in Mexiko-Stadt teil. Zuvor hatte eine oekumenische
Vorkonferenz unter dem Motto “Glaube in Aktion - Jetzt!”
stattgefunden, die vom in Genf angesiedelten Globalen
Oekumenischen Aktionsbuendnis, bei dem der LWB Mitglied ist,
organisiert worden war. (699 Woerter)
(Ein Beitrag von LWI-Korrespondentin Julia Heyde.)
Weitere Informationen zum Thema der oekumenischen Vorkonferenz,
“Glaube in Aktion - Jetzt!” und der oekumenischen Beteiligung
auf der IAK finden Sie (auf Englisch oder Spanisch) unter
http://iac.e-alliance.ch.
* * *
Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft
lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden)
gegruendet, zaehlt er inzwischen 141 Mitgliedskirchen, denen rund
68,3 Millionen ChristInnen in 79 Laendern weltweit angehoeren.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat
der Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen
in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe,
Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.
Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als
Informationsdienst des Lutherischen Weltbundes (LWB)
herausgegeben. Veroeffentlichtes Material gibt, falls dies nicht
besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder Meinung des LWB
oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit “LWI”
gekennzeichneten Beitraege koennen kostenlos mit Quellenangabe
abgedruckt werden.
More information about the Wfn-editors
mailing list