(LWI 06-01-2008) LWB-Tagung zum evangelischen Verstaendnis der Kirche in einem oekumenischen Horizont
Dirk-Michael Grötzsch
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Wed Jun 11 09:06:59 CDT 2008
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LWB-Tagung zum evangelischen Verstaendnis der Kirche in einem
oekumenischen Horizont
Bekenntnis zur Kirche in der Gegenwart steht im Mittelpunkt
Genf, 11. Juni 2007 (Genf) - Das envangelische Verstaendnis der
Kirche steht im Zentrum einer internationalen Tagung der
Abteilung fuer Theologie und Studien (ATS) des Lutherischen
Weltbundes (LWB) Mitte Juni in Bossey bei Genf (Schweiz). Die
Tagung, an der ReferentInnen aus zahlreichen Laendern weltweit
teilnehmen werden, findet vom 12. bis 16. Juni im oekumenischen
Institut Bossey statt und steht unter dem Thema “Die ‘eine
heilige, katholische und apostolische Kirche’ - Reflektionen
ueber das Verstaendnis der Kirche in einem oekumenischen
Horizont”. Durch die Tagung soll dem evangelisch-lutherischen
Verstaendnis mehr Profil verliehen werden, so der verantwortliche
ATS-Studienreferent fuer Theologie und die Kirche, Pfr. Dr.
Hans-Peter Grosshans. Es sei “die historische Verpflichtung
evangelischer Kirchen, die ekklesiologischen Folgerungen aus der
reformatorischen Theologie deutlich zu machen gegenueber sich
selbst und den anderen Kirchen”, betonte der Theologe im
Vorfeld der Tagung, die in Kooperatioon mit der Theologischen
Fakultaet der Universitaet Genf durchgefuehrt wird.
Laut Grosshans bildet die Tagung den Auftakt zu einem neuen
LWB/ATS-Studienprogramm, in dem die Formulierung aus dem
Bekenntnis von Nicaea-Konstantinopel “Wir glauben ... an die
eine heilige, katholische und apostolische Kirche” aus der
Sicht evangelisch-lutherischer Kirchen und der evangelischen
Theologie der Gegenwart interpretiert und mit Leben gefuellt
werden soll.
Im Mittelpunkt der ersten Tagung des Studienprogramms in Bossey
steht die gesamte Bekenntnisfomulierung fuer die evangelischen
Kirchen der Gegenwart. Die Folgetagungen, die dann in
Suedamerika, Asien und Afrika stattfinden werden, sollen dann die
Bedeutung der vier Kennzeichen der Kirche - ihre Einheit,
Heiligkeit, Katholizitaet und Apostolizitaet - fuer die
evangelischen Kirchen der Gegenwart in den Blickpunkt nehmen.
Laut Grosshans sollen Fragen thematisiert werden wie: “Was
bedeutet es heute fuer evangelische Kirchen, die eine, heilige,
katholische und apostolische Kirche zu realisieren? Und was ist
im evangelischen Verstaendnis gemeint, wenn man im Blick auf die
Kirche von Einheit, Heiligkeit, Katholizitaet und Apostolizitaet
redet?”
Die ReferentInnen der Tagung in Bossey kommen aus zahlreichen
Laendern wie: Aethiopien, Brasilien, Daenemark, Deutschland,
Finnland, Griechenland, Malaysia, Myanmar, Sambia, Schweiz und
USA.
Waehrend die ReferentInnen alle ExpertInnen in ekklesiologischen
Fragen sind, so beschaeftigen sie sich laut Grosshans mit dem
Thema “Kirche” jedoch in ganz unterschiedlichen Kontexten und
unter hoechst verschiedenen religioesen, politischen, rechtlichen
und oekonomischen Bedingungen. “Sie vertreten zugleich
verschiedene theologische Stile, Methoden und Ansaetze und
repraesentieren die Vielfalt theologischer Arbeit innerhalb der
evangelisch-lutherischen Kirchen”, so der ATS- Studienreferent.
Neben eine Vielzahl lutherischer ReferentInnen sind bei der
Tagung auch andere konfessionelle Traditionen vertreten, so die
orthodoxe, die roemisch-katholische, die baptistische und die
reformierte Theologie. Das evangelisch-lutherische Verstaendnis
von Kirche solle nicht gegen, sondern mit den anderen
christlichen Konfessionen profiliert werden, betont Grosshans. So
sollen insbesondere die oekumenische Diskussion um das
Verstaendnis der Kirche und die kontextuellen Versuche, Kirche zu
definieren und zu realisieren, Beachtung finden.
Seit der Bestaetigung der Gemeinsamen Erklaerung zur
Rechtfertigungslehre (GE) durch VertreterInnen des LWB sowie der
roemisch-katholischen Kirche am 31. Oktober 1999 in Augsburg
(Deutschland) sei zunehmend das Thema “Kirche” in den
Mittelpunkt der oekumenischen Diskussion gerueckt, so Grosshans.
In der Rezeption der GE sei deutlich geworden, dass vor allem ein
unterschiedliches Kirchenverstaendnis der Einheit der Kirchen im
Wege stehe. Das evangelisch-lutherische Verstaendnis von Kirche
lebe dabei stark von dem Gegensatz zu den anderen Konfessionen.
Bisher haetten die lutherischen Kirchen und die evangelische
Theologie noch viel zu wenig fuer Klarheit ueber ihr Verstaendnis
von Kirche gesorgt.
Dem evangelischen Verstaendnis von Kirche fehle es daher an
einem klaren Profil und damit an einer wesentlichen
Voraussetzung, um die oekumenischen Diskussionen zum Thema
“Kirche” voranzubringen. Bisher sei es den evangelischen
Kirchen nicht hinreichend gelungen, klar zu machen, wie nach
ihrem Verstaendnis die eine heilige, katholische und apostolische
Kirche dem Evangelium gemaess realisiert werde und welche
Konsequenzen dies fuer das Leben und die Organisation der Kirchen
habe. Vielfach bleiben die evangelischen Kirchen gerade in ihrem
Verstaendnis ihres eigenen Kircheseins hinter den
reformatorischen Einsichten zurueck.
Hinzu komme, so Grosshans, dass bisher die reichen und
vielfaeltigen Erfahrungen in den vielen lutherischen Kirchen
weltweit fuer die Interpretation dieser Kennzeichen der Kirche
nicht fruchtbar gemacht worden seien. (666 Woerter)
* * *
Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft
lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden)
gegruendet, zaehlt er inzwischen 140 Mitgliedskirchen, denen rund
68,3 Millionen ChristInnen in 78 Laendern weltweit angehoeren.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat
der Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen
in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe,
Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.
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