(LWI 06-07-2008) An Rechten orientierter Ansatz ist zentraler Bestandteil der Nothilfe und Entwicklungsarbeit
Dirk-Michael Grötzsch
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Fri Jun 20 05:30:13 CDT 2008
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An Rechten orientierter Ansatz ist zentraler Bestandteil der
Nothilfe und Entwicklungsarbeit
LWB/AWD-Regionalkonsultation zum Thema: “Frieden und
Menschenrechte in einem multireligioesen Kontext”
Jerusalem/Genf, 20. Juni 2008 (LWI) - Fuer den umfassenden
Schutz und die Foerderung der Menschenrechte sowie fuer
interreligioeses Verstaendnis und Toleranz als zentrale
Bestandteile der gesamten Nothilfe und Entwicklungsarbeit aller
Programme und Projekte des weltweit taetigen Lutherischen
Weltbundes (LWB) haben sich die Teilnehmenden der
Regionalkonsultation Asien, Europa und Naher Osten der
LWB-Abteilung fuer Weltdienst (AWD) ausgesprochen. Elementare
Aufgabe sei es, bei Mitarbeitenden, Zielgruppen und
Verantwortlichen ein Bewusstsein dafuer zu schaffen, dass ein an
den Rechten orientierter Ansatz Eingang in saemtliche Nothilfe-
und Entwicklungsplaene und -programme finden muesse. Es gehe
darum, die Schwachen und Marginalisierten zu befaehigen, ihre
Rechte einzufordern, so die rund 30 Teilnehmenden der
Konsultation, die vom 31. Maerz bis 4. April auf Einladung des
AWD-Jerusalemprogramms im vom LWB verwalteten Auguste
Victoria-Krankenhaus (AVH) auf dem Oelberg in Ost-Jerusalem
stattfand.
An der Tagung, die unter dem Thema “Frieden und Menschenrechte
in einem multireligioesen Kontext” stand, nahmen VertreterInnen
aus LWB/AWD-Laenderprogrammen auf dem Balkan, in Bangladesch,
Indien, Jerusalem, Kambodscha und Nepal sowie Genfer
LWB-Stabsmitglieder und VertreterInnen von Partnerorganisationen
aus Finnland, Kanada und Schweden teil.
Ziel der AWD-Regionaltreffen sei insbesondere, Mitarbeitende aus
den Laenderprogrammen mit Genfer Stabsmitgliedern sowie
VertreterInnen der internationalen Partnerorganisationen zu einem
intensiven Erfahrungsaustausch zusammenzubringen, so Rudelmar
Bueno de Faria, seit 2006 AWD-Koordinator fuer
Programmabwicklung.
Im Blick auf interreligioeses Verstaendnis und Toleranz regten
die TagungsteilnehmerInnen an, insbesondere Kirchenleitende ueber
das Wesen von Diakonie zu informieren und einfache
Aufklaerungsmaterialien fuer Mitarbeitende, Partnerorganisationen
sowie Kirchenleitende zu entwickeln. Hierbei sollten grundlegende
Informationen zu den Weltreligionen und den unterschiedlichen
Ansaetzen in der diakonischen Arbeit vermittelt werden. Wichtig
sei, Gelegenheiten zum gegenseitigen Kennenlernen, zu Interaktion
und Austausch zwischen Angehoerigen verschiedener Religionen
und/oder Interessengruppen zu schaffen.
Laut Bueno de Faria, sind der Schutz und die Staerkung der
Menschenrechte die Grundlage fuer eine wuerdige Foerderung des
Friedens und der Gerechtigkeit. “Als kirchliche Organisation
sollten wir die Wahrheit verkuenden, uns fuer Gerechtigkeit und
Wuerde einsetzen und dabei von einem an den Menschen und ihren
Rechten orientierten Ansatz ausgehen. Die weltweite Situation ist
recht komplex, aber wenn sich die Kirchen und kirchlichen
Organisationen fuer interreligioese Verstaendigung und Toleranz
einsetzen, muesste es moeglich sein, einen Loesungsansatz zu
finden”, so Bueno de Faria.
Die Umsetzung gemeinsamer Programme und Projekte, die Glaeubige
verschiedener Religionen in einem nicht-religioesen Umfeld
zusammenbringe, koenne ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr
Verstaendnis und Toleranz sein, so die Teilnehmenden der Tagung.
Hierbei muessten lokale Bedingungen und der jeweilige Kontext
beachtet werden, um gemeinsame Projekte nicht zu gefaehrden und
Konflikte zwischen religioesen Gruppen nicht noch weiter zu
verschaerfen.
Aufklaerung ueber Rechte
Fuer umfassende Bewusstseinsbildung und grundlegende Information
sprach sich Anoj Chhetri, Programmkoordinator des
AWD-Laenderprogramms in Nepal, aus. Insbesondere die Menschen an
der Basis haetten keinerlei Kenntnisse ueber ihre Rechte. Ein
Schwerpunkt des Programms in Nepal liege seit 17 Jahren in der
Unterstuetzung bhutanischer Fluechtlinge sowie anderer schwacher
und stark benachteiligter Bevoelkerungsgruppen in Nepal. Ihnen zu
vermitteln, welche Rechte sie haben und wie sie diese auch
einfordern und durchsetzen koennen, sei eine der Hauptaufgaben
der zahlreichen MenschenrechtsaktivistInnen des
AWD-Laenderprogramms.
Laut Dr. Inn Sam, Stellvertretender Leiter des
AWD-Laenderprogramms in Kambodscha, ist die Unterstuetzung von
Dorfgemeinschaften bei der Durchsetzung ihrer Rechte ebenfalls
eine Prioritaet der Arbeit in Kambodscha. Die Regierungen seien
in der Pflicht, die Menschenrechte entsprechend internationaler
Vereinbarung zu respektieren und zu schuetzen. Um dies den
Menschen bewusst zu machen, sei viel Aufklaerungsarbeit
notwendig. “Es gibt Maechtige und Machtlose. Wir versuchen, die
Machtlosen zu staerken und zu befaehigen”, so Vuthy Chhuon,
Personalmanager von AWD-Kambodscha. Insbesondere im Blick auf
interreligioese Konflikte sei mehr Engagement notwendig, um
Konfliktparteien zum Dialog an einen Tisch zu bringen und das
gegenseitige Verstaendnis zu foerdern, so Chhuon.
Angespannte Menschenrechtslage
Waehrend der Tagung in Jerusalem nahm der aktuelle Konflikt
zwischen Israel und den palaestinensischen Gebieten einen
zentralen Platz ein. Israelische und palaestinensische
ReferentInnen berichteten ueber die Folgen des Ausbaus juedischer
Siedlungen sowie der Sicherheitsanlagen und Trennmauern zwischen
Israel und den palaestinensischen Gebieten und deren Auswirkungen
auf das taegliche Leben der PalaestinenserInnen.
Die angespannte Menschenrechtslage in den palaestinensischen
Gebieten kam dabei auch zur Sprache. Randa Siniora, Direktorin
der unabhaengigen palaestinensischen Kommission fuer
Menschenrechte (PICCR), berichtete, dass sich die
Menschenrechtslage sowohl im Westjordanland als auch im
Gazastreifen auf allen Ebenen zunehmend verschaerfe. So kaemen
monatlich Dutzende PalaestinenserInnen bei israelischen
Vergeltungsschlaegen als Reaktion auf Raketenabschuesse aus
palaestinensischen Gebieten ums Leben. Auch die Konflikte
zwischen Hamas und Fatah erschwerten zunehmend die Arbeit ihrer
Organisation. Dies betreffe sowohl Besuche von Gefangenen in
Gefaengnissen als auch Programme fuer Training und
Kapazitaetsaufbau.
Bischof Dr. Munib A. Younan von der Evangelisch-Lutherischen
Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELKJHL) betonte, es sei
eine Schande fuer alle politisch Verantwortlichen weltweit, dass
das palaestinensische Volk seit 60 Jahren in Fluechtlingslagern
lebe. Laut Younan ist Not- und Entwicklungshilfe ohne
Gerechtigkeit bedeutungslos. Der LWB stehe daher fuer
Gerechtigkeit und Staerkung von Schwachen und Fluechtlingen. Wenn
den PalaestinenserInnen Gerechtigkeit widerfahre, dann koenne
auch die Not- und Entwicklungshilfe in dieser Region zu einem
positiven Ende kommen, so der LWB-Vizepraesident fuer die Region
Asien.
Das Ringen um die Durchsetzung der Rechte der palaestinensischen
Bevoelkerung muesse ohne wenn und aber gewaltlos gefuehrt werden,
so der lutherische Bischof. Es sei eine Suende, sich gegenseitig
zu toeten.
Er glaube weiterhin, dass Frieden moeglich sei. Wenn er von der
Verwirklichung einer Zwei-Staaten-Loesung in den Grenzen von 1967
spreche, bedeute dies auch, dass er die Existenz Israels bejahe.
Dies heisse jedoch auch, dass natuerliche Ressourcen wie Wasser
und Land fair geteilt werden muessten. Als groesstes Hindernis
sieht Younan allerdings die juedischen Siedlungen. Der Ausbau
muesse sofort gestoppt werden. Siedlungen, die jenseits der
Grenzen von 1967 errichtet wurden und weiterhin werden, muessten
geraeumt werden. Dies sei neben der Aufteilung Jerusalems eine
zentrale Voraussetzung fuer einen dauerhaften Frieden.
Die Weltgemeinschaft muesse anerkennen, dass dem
palaestinensischen Volk Unrecht widerfahren sei, so der
palaestinensische lutherische Bischof abschliessend.
Die Abteilung fuer Weltdienst ist fuer die humanitaere Nothilfe
und die Entwicklungsarbeit des LWB zustaendig und betreibt
Programme in 37 Laendern Afrikas, Asiens, Latein- und
Mittelamerikas sowie Europas. Ihre Anstrengungen gelten allen
Notleidenden, ungeachtet ihrer ethnischen Zugehoerigkeit, ihres
Geschlechts, ihrer Religion, ihrer Staatsangehoerigkeit oder
ihrer politischen Ueberzeugungen. Bei ihrer Arbeit mit
ausgegrenzten und benachteiligten Bevoelkerungsgruppen stuetzt
sie sich auf weltweite Netzwerke oekumenischer, staatlicher und
nichtstaatlicher Partner.
Der LWB ist zudem Gruendungsmitglied von ACT International,
einem weltweiten Buendnis von Kirchen und Partnerorganisationen
mit Sitz in Genf, das bei humanitaeren Katastrophensituationen
weltweit Leben rettet und der betroffenen Bevoelkerung Hilfe
leistet. (1.064 Woerter)
Weitere Informationen zur Arbeit der LWB-Abteilung fuer
Weltdienst finden Sie auf der LWB-Webseite unter:
www.lutheranworld.org/Arbeitsfelder/Awd-old/AWD-Welcome.html.
Die Arbeit der LWB-Abteilung fuer Weltdienst koennen Sie auch
online mit einer Spende unterstuetzen:
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Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft
lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden)
gegruendet, zaehlt er inzwischen 140 Mitgliedskirchen, denen rund
68,3 Millionen ChristInnen in 78 Laendern weltweit angehoeren.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat
der Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen
in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe,
Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.
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besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder Meinung des LWB
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