Korrektur: LWB-Ratstagung 2008 - PRESSEMITTEILUNG NR: 06
Dirk-Michael Grötzsch
dmg at lutheranworld.org
Sun Jun 29 12:58:09 CDT 2008
Korrektur:
LWB-Generalsekretaer Pfr. Dr. Ishmael Noko hat den Rat ebenfalls
ueber seine Absicht informiert, seinen Dienst als
LWB-Generalsekretaer am 31. Oktober 2010 zu beenden. (2010 und
nicht wie urspruenglich gemeldet 2008! Wir bitten, dieses
Versehen zu entschuldigen.)
Mit freundlichen Gruessen
Dirk-Michael Groetzsch
LWI-Redaktion
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LWB-Ratstagung in Arusha (Tansania) – 25. bis 30. Juni 2008
PRESSEMITTEILUNG NR: 06
Lutherische Gemeinschaft muss sich fuer mehr
Ernaehrungssicherheit einsetzen
LWB-Generalsekretaer: Ernaehrungskrise sei kein isoliertes
Problem
Arusha (Tansania)/Genf, 27. Juni 2008 (LWI) – In seinem Bericht
an den Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB), hat
LWB-Generalsekretaer Pfr. Dr. Ishmael Noko die zentrale Aufgabe
des LWB betont, den grundlegenden Ursachen der Ernaehrungskrise
sowie deren Auswirkungen vor allem auf die Armen seine ganze
Aufmerksamkeit zu schenken.
“Die ‘Ernaehrungssicherheit’ oder ‘Ernaehrungshoheit’ koennte
sich im 21. Jahrhundert zu einer der groessten Herausforderungen
entwickeln”, erklaerte Noko am 27. Juni in Arusha (Nordtansania).
Die Ratstagung mit rund 170 Teilnehmenden findet auf Einladung
der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELKT) vom 25.
bis 30. Juni in Tansania statt. Sie steht unter dem Thema
“Schmelzende Schneekappe auf dem Kilimandscharo: Zeugnis
inmitten der leidenden Schoepfung”.
“Die ‘Ernaehrungssicherheit’ oder ‘Ernaehrungshoheit’ koennte
sich im 21. Jahrhundert zu einer der groessten Herausforderungen
entwickeln”, erklaerte Noko in seinem Bericht an den Rat. Wenn
sich die Aufmerksamkeit der internationalen Medien bis zur Elften
LWB-Vollversammlung 2010 in Stuttgart (Deutschland) zum Thema
“Unser taegliches Brot gib uns heute” vielleicht auch von der
gegenwaertigen globalen Ernaehrungskrise auf andere Themen
verlagert haben werde, so blieben doch die grundlegenden Ursachen
dieser Krise und ihre tragischen Auswirkungen weiterhin bestehen.
Noko betonte, die Ernaehrungskrise sei kein isoliertes Problem,
sondern das Ergebnis eines vielschichtigen Zusammenwirkens
mehrerer Faktoren, wie zum Beispiel Klimawandel, zunehmende
Wasserknappheit, Bevoelkerungswachstum und steigender Reichtum
insbesondere in den sich schnell entwickelten Volkswirtschaften,
fehlende Investitionen in die heimische Landwirtschaft sowie eine
ungerechte Handelspolitik.
“Es wird von entscheidender Bedeutung fuer die zukuenftige
Relevanz des LWB als diakonischem und humanitaerem Instrument der
lutherischen Familie sein, dass wir uns mit diesen Ursachen der
Ernaehrungskrise wie auch mit den Moeglichkeiten des LWB
beschaeftigen, einen bedeutsamen Beitrag zur Auseinandersetzung
mit dieser Krise und zu ihrer Loesung zu leisten”, so Noko.
Noko wies darauf hin, dass der LWB unlaengst ein Kochbuch mit dem
Titel “Food for Life: Recipes and Stories on the Right to Food”
(Nahrung fuers Leben: Rezepte und Geschichten ueber das Recht auf
Nahrung) veroeffentlicht habe. Es handele sich dabei um eine
Sammlung von Rezepten, Tischgebeten und Features aus den
Laenderprogrammen der LWB-Abteilung fuer Weltdienst (AWD). Das
Kochbuch greife die schwierigen Lebensbedingungen der
benachteiligten Gemeinschaften auf, mit denen der LWB in
verschiedenen Teilen der Welt zusammenarbeite und die um ihr
taegliches Brot und ihr Ueberleben kaempfen muessten.
Noko bezeichnete das Thema der diesjaehrigen Ratstagung als
Einladung an die Teilnehmenden und die LWB-Mitgliedskirchen, auf
das Seufzen der Schoepfung Gottes zu hoeren, das der hoechste
Berg Afrikas dem Volk Gottes in schmerzlicher Weise zum Ausdruck
bringe. “Er weint fuer ein gesundes Afrika und fuer eine gesunde
Umwelt” auf einem Kontinent, der wie viele andere Regionen der
Welt mit zunehmender Wuestenbildung, immer haeufigeren
Wetterextremen, austrocknenden Fluessen und dem Aussterben von
Tierarten konfrontiert sei.
“Die Bewahrung der Schoepfung Gottes ist Teil der
Haushalterschaft der menschlichen Familie und daher von zentraler
Bedeutung fuer den Auftrag der Kirche”, erklaerte der
LWB-Generalsekretaer und verwies auf die Anstrengungen des LWB
und seiner Mitgliedskirchen, die Auswirkungen des Klimawandels
durch humanitaere Nothilfe- und Entwicklungsprogramme in den am
staerksten betroffenen Teilen der Welt, einschliesslich
Mauretaniens, Aethiopiens und Tansanias, in den Griff zu
bekommen.
Der Kontext der Ratstagung und der gastgebenden ELKT sei
ebenfalls von grosser Bedeutung, betonte Noko. Die Region der
Grossen Seen, zu der Tansania gehoere, veranschauliche in
besonderer Weise die widerspruechlichen Realitaeten von Reich und
Arm. Trotz vieler gut gemeinter internationaler und lokaler
Initiativen wie auch der oekumenischen Bemuehungen zur Linderung
der Armut in Afrika verharre die grosse Mehrheit der Bevoelkerung
des Kontinents in Armut, bemerkte Noko. Er schlug vor, auf eine
Loesung hinzuarbeiten, die die internationale
Staatengemeinschaft, die AfrikanerInnen und ihre Regierungen
einbeziehe und sie anhalten muesse, sich gemeinsam der Frage zu
stellen: “Welche Massnahmen, die den Afrikanern und
Afrikanerinnen das Eigentum an ihren Ressourcen und deren Nutzung
zum Wohl ihrer Voelker verweigern, duerfen wir ‘NICHT’ ergreifen?”
Eine ehrliche Antwort, so Noko, wuerde offen legen, dass die
Korruption sowohl von AfrikanerInnen als auch
Nicht-AfrikanerInnen “in grossem Masse fuer die Probleme
verantwortlich ist, mit denen dieser Kontinent konfrontiert ist”.
Fuer den LWB sei dies keine akademische Frage, betonte er. Hier
gehe es vielmehr um Gemeinschaft, um die diakonische Faehigkeit
der Kirche, Kirche zu sein. “Wenn wir uns einig sind, dass es
sich hierbei um Fragen handelt, die unsere Communio betreffen,
dann muessen wir darueber so offen sprechen, wie wir koennen.” Er
erwaehnte in diesem Kontext die LWB-Arbeitsgruppe zur Armut in
Afrika, die von den Mitgliedskirchen in der Region und dem
zusammen mit den lateinamerikanischen Kirchen durchgefuehrten
LWB-Programm zur illegitimen Auslandsverschuldung initiiert
worden sei.
Menschenhandel
Zu den weiteren Themen, die der Generalsekretaer in seinem
Bericht ansprach, gehoerte der Menschenhandel, dessen “Push- und
Pullfaktoren” auf der einen Seite Armut und Unsicherheit und auf
der anderen Seite Nachfrage, Profitgier, falsche Versprechungen
oder unrealistische Erwartungen seien. Die Tatsache, dass die
Kirchen die Existenz dieses komplexen gesellschaftlichen Problems
in ihren Laendern anerkennen wuerden, koennte der erste Schritt
hin zu einer Loesung sein, die unter anderem verbesserte
Mechanismen der Zusammenarbeit voraussetzen wuerde. Noko ersuchte
den Rat, sich mit dieser Problematik zu befassen, “so dass wir
die Verpflichtung eingehen koennen, nach unserer Rueckkehr in
unsere Heimatkirchen in dieser Frage etwas zu tun.”
Noko sprach in seinem Bericht auch die HIV und AIDS-Arbeit des
LWB an und beklagte, dass eine Reihe von Laendern
Visumsbeschraenkungen fuer HIV-Infizierte eingefuehrt haetten. Er
lenkte die Aufmerksamkeit des Rates auch auf die politische und
wirtschaftliche Krise in Simbabwe, die schwierige humanitaere
Krise in Myanmar und die Lage im Nahen Osten.
Noko betonte ferner, der LWB fuehle sich stets seiner
diakonischen Berufung verpflichtet und sehe es daher als
unerlaesslich an, die Kapazitaeten der Kirchen zu staerken. In
diesem Zusammenhang erwaehnte er die Globale
Diakonie-Konsultation, die im Oktober 2008 in Aethiopien
stattfinden wird. Des Weiteren ging er auf ein Studienprogramm
der LWB-Abteilung fuer Theologie und Studien (ATS) mit dem Titel
“Theologie im Leben der Kirche” ein, das unter anderem nach
der Relevanz traditioneller lutherischer theologischer Kategorien
frage.
Einheit
Der Generalsekretaer beschaeftigte sich auch mit der Frage der
Einheit in der lutheDifferenzen zwischen groesseren Stroemungen der lutherischen
Familie zu Spaltungen statt groesserer Einheit fuehren koennten,
insbesondere wenn sie im Leben einzelner Kirchen ausgetragen
wuerden. Er unterstrich jedoch die Bereitschaft des LWB und dem
Internationalen Lutherischen Rat (ILC), sich auch weiterhin fuer
bessere Kommunikation und mehr Verstaendnis einzusetzen.
Im Hinblick auf oekumenische Dialoge und Kontakte verwies Noko
unter anderem auf den zehnten Jahrestag der Unterzeichnung der
Gemeinsamen Erklaerung zur Rechtfertigungslehre, der unter dem
Thema “Glueck” stehen soll – womit zum Ausdruck gebracht werden
solle, wie die Botschaft von der Rechtfertigung von den Menschen
und der uebrigen Schoepfung aufgenommen werde.
Personalfragen
Noko sprach im Zusammenhang mit Finanz- und Personalfragen die
wachsende Sorge an, dass der LWB in einer Reihe von Laendern, in
denen die AWD taetig sei, seinen Status als gemeinnuetzige, von
der Steuer befreite Organisation verlieren koennte. “Die
Steuerbefreiung wird von den Regierungen nicht mehr automatisch
gewaehrt und die Verhandlungen kosten viel Zeit und Kraft”,
betonte er.
Obwohl die Zahl leitender MitarbeiterInnen in Genf relativ stabil
geblieben sei, habe die Zahl der VerwaltungsmitarbeiterInnen
stark abgenommen. Dies sei nicht ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsbelastung der verbleibenden Stabsmitglieder geblieben, so
Noko. Waehrend es gelungen sei, ein ausgewogeneres Verhaeltnis
zwischen MitarbeiterInnen aus dem Norden und dem Sueden sowie
zwischen weiblichen und maennlichen Stabsmitgliedern
herzustellen, gebe das steigende Durchschnittsalter der
MitarbeiterInnen in Genf und in den Aussenstellen Anlass zur
Besorgnis. “Wir werden darueber nachdenken muessen, wie die Zahl
junger Menschen im LWB-Sekretariat wieder angehoben und
aufrechterhalten werden kann. Dies ist ein wichtiges Mittel der
Heranbildung von Leitungskraeften in der lutherischen
Gemeinschaft und in der ganzen oekumenischen Bewegung”, betonte
der Generalsekretaer.
Noko informierte den Rat ebenfalls ueber seine Absicht, seinen
Dienst als LWB-Generalsekretaer am 31. Oktober 2010 zu beenden.
Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Rat auf seiner Tagung
in Tansania einen Sondierungsausschuss zur Suche seines/r
Nachfolgers/in einrichten werde und bekraeftigte seine
Bereitschaft, alles in seiner Kraft Stehende zu tun, um fuer
einen reibungslosen Uebergang zu sorgen. Noko, der Pfarrer der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Simbabwe ist, wurde 1994 vom
Rat zum LWB-Generalsekretaer ernannt und 2004 fuer eine zweite
Amtszeit wiedergewaehlt. (1.336 Woerter)
Den Bericht von LWB-Generalsekretaer Pfr. Dr. Ishmael Noko finden
Sie in englischer Sprache im Format PDF unter:
http://www.lutheranworld.org/LWF_Documents/2008_Council/Gen_Sec-Report-2008.pdf
* * *
An der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Arusha
(Tansania) nehmen knapp 80 VertreterInnen von
LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen teil. Darueber
hinaus sind rund 95 weitere Teilnehmende registriert, darunter
DolmetscherInnen, Gaeste, Mitarbeitende des LWB,
PressevertreterInnen und Stewards. Der 49-koepfige LWB-Rat fuehrt
zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden
Vollversammlungen die Geschaefte des Weltbundes. Er tagt alle 12
bis 18 Monate. Der aktuelle Rat wurde waehrend der Zehnten
LWB-Vollversammlung im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg
gewaehlt. Der Rat besteht aus dem Praesidenten, dem Schatzmeister
sowie Geistlichen und Laien, die ihre Regionen repraesentieren.
Die gastgebende Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELKT)
ist die zweitgroesste lutherische Kirche in Afrika. Zu den 20
Dioezesen der ELKT gehoeren rund 4,6 Millionen Mitglieder. Die
viertgroesste lutherische Kirche weltweit gehoert seit 1964 zum
LWB. Leitender Bischof der Kirche ist Alex G. Malasusa.
Waehrend der LWB-Ratstagung erreichen Sie das LWB-Buero fuer
Kommunikationsdienste ueber den Mobilfunk-Anschluss: +255/713-480
216.
* * *
Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine GemeinschaftKirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er
inzwischen 140 Mitgliedskirchen, denen rund 68,3 Millionen
ChristInnen in 78 Laendern weltweit angehoeren.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat
der Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen
in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe,
Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.
Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als
Informationsdienst des Lutherischen Weltbundes (LWB)
herausgegeben. Veroeffentlichtes Material gibt, falls dies nicht
besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder Meinung des LWB
oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit “LWI”
gekennzeichneten Beitraege koennen kostenlos mit Quellenangabe
abgedruckt werden.
Dirk-Michael Groetzsch
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