LWB-Ratstagung 2008 - PRESSEMITTEILUNG NR: 07

Dirk-Michael Grötzsch dmg at lutheranworld.org
Sun Jun 29 13:29:09 CDT 2008


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LWB-Ratstagung in Arusha (Tansania) – 25. bis 30. Juni 2008
PRESSEMITTEILUNG NR: 07

Aussprache zu Bericht des LWB-Praesidenten: Ratsmitglieder
fordern gemeinsames Vorgehen in Fragen des Klimawandels

KirchenvertreterInnen begruessen Fokus auf Umweltanliegen

Arusha (Tansania)/Genf, 27. Juni 2008 (LWI) – Die Teilnehmenden
der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) im
nordtansanischen Arusha haben Reflexionen von LWB-Praesident
Bischof Mark S. Hanson ueber Umweltanliegen in seiner Rede an den
Rat begruesst. Bei den Fragen und Kommentaren in der Aussprache
zur Rede des LWB-Praesidenten ging es vor allen Dingen darum, wie
LWB-Mitgliedskirchen diese Anliegen in konkrete Massnahmen
umsetzen koennten.

Das Thema der Ratstagung, die auf Einladung der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELKT) vom 25. bis
30. Juni in Tansania stattfindet, lautet “Schmelzende Schneekappe
auf dem Kilimandscharo: Zeugnis inmitten der leidenden
Schoepfung”. In seiner Ansprache rief LWB-Praesident Hanson am
25. Juni die Mitgliedskirchen auf, fuer Veraenderungen in Politik
und Praxis einzutreten. “Die christliche Hoffnung verlangt uns
ab, dass wir disziplinierte, mutige, treue Haushalter und
Haushalterinnen der ganzen Schoepfung sind”, erklaerte er. Hanson
ist Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in
Amerika.

Fuer die Kirche sei es wichtig, in ihrer Auseinandersetzung mit
Umweltanliegen “Dinge, die Hoffnung machen, hervorzuheben”,
betonte Ratsmitglied Erzbischof Anders H. Wejryd von der
Schwedischen Kirche. “Das, was uns Christen und Christinnen im
Evangelium geschenkt worden ist, stellt eine grosse Hilfe fuer
uns dar”, erklaerte er und ermutigte ChristInnen dazu, sich mit
wissenschaftlichen Diskussionen ueber Umweltprobleme
auseinanderzusetzen. 

LWB-Praesident Hanson bekraeftigte in seiner Antwort die wichtige
Rolle des Glaubens, der die ChristInnen dazu befreie, Diskussion
zwischen Religion und Wissenschaft zu verfolgen und zur
Verstaendigung beizutragen. 

Anwaltschaftliche Arbeit

Worte muessten in politisches Handeln umgesetzt werden,
unterstrich Pfr. Atle Sommerfeldt vom norwegischen kirchlichen
Hilfswerk Norwegian Church Aid (NCA). Umweltfragen wuerden in
Zukunft auf der politischen Tagesordnung stehen und die naechsten
fuenf Jahre spielten eine entscheidende Rolle, so der Berater des
Rates. 

Ratsmitglied Pfr. Iteffa Gobena, Praesident der Aethiopischen
Evangelischen Kirche Mekane Yesus, hob die Bedeutung hervor, alle
Menschen in das Engagement fuer die Umwelt einzubeziehen. Es sei
wichtig, eine allgemeinverstaendliche Sprache zu finden, damit
alle gemeinsam den Klimawandel bekaempfen koennten.

Ratsmitglied Doris Stephen Kitutu von der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania merkte an, dass die
Ansprache des LWB-Praesidenten sich nicht mit der Rolle von
Unternehmen beschaeftigt habe, deren Politik und Aktivitaeten
sich negativ auf die Umwelt auswirkten. 

“Wie koennen wir uns und andere organisieren, um Machtstrukturen
entgegenzutreten?”, lautete Hansons Antwort. “Ich glaube, das ist
die strategische Schluesselfrage, die wir uns stellen muessen,
egal ob es sich um politische Machtstrukturen oder um
unternehmerische Machtstrukturen handelt.”

Bischof Klein von der Evangelischen Kirche Augsburgischen
Bekenntnisses in Rumaenien stellte fest, der LWB-Praesident
haette in seiner Ansprache mehr Beispiele fuer umweltpolitisches
Engagement in Osteuropa anfuehren sollen. Der LWB-Vizepraesident
fuer Mittelosteuropa wies darauf hin, dass dies ein wichtiges
Thema fuer die Delegierten auf der Dritten Europaeischen
Oekumenischen Versammlung 2007 in Sibiu (Rumaenien) gewesen sei. 

Bewegung in Gang setzen

Auf einer Pressekonferenz im Anschluss an seine Rede und die
Aussprache im Plenum erklaerte Hanson, der LWB koenne dazbeitragen, eine globale Bewegung zur Begrenzung oder Eindaemmung
der oekologischen Krise zu schaffen. Eine solche Bewegung muesse
jedoch von vielen Partnern und Menschen getragen werden, um
effektiv Wirkung zu zeigen. 

Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass der Rat auf seiner
Tagung eine Entschliessung annehmen werde, in der die
LWB-Mitglieder zu besonderen Massnahmen aufgerufen werden. “Ich
bin der festen Ueberzeugung, dass der LWB allein – trotz seiner
68 Millionen Mitglieder – die globale Erwaermung und die
Schneeschmelze auf dem Kilimandscharo nicht umkehren kann”,
betonte Hanson. “Ich glaube aber, dass wir, zusammen mit anderen,
die Kraft haben, eine Bewegung in der Welt in Gang zu setzen, die
die Kraft entfalten kann, die Umweltkrise zu beenden, die heute
den Schnee schmelzen und die Fluesse austrocknen laesst.”

Ernaehrungskrise

Hanson wies darauf hin, dass die aktuelle Ernaehrungskrise mit
den hohen Benzinpreisen und dem Klimawandel zu tun habe, und
erklaerte, er haette sich nicht vorstellen koennen, wie schnell
diese Faktoren eine Ernaehrungskrise ausloesen koennten. “Ich
glaube, wir sind davon irgendwie ueberrumpelt worden. Wir
dachten, wir wuerden Fortschritte bei der Bekaempfung des Hungers
in der Welt machen – und de facto war das auch so. Aber
ploetzlich kommt es zu einem radikalen Anstieg des Hungers. Diese
Entwicklung steht in enger Verbindung mit der Erdoelkrise, die
wiederum in Verbindung mit der Klima- und Umweltkrise steht.”

Umweltanliegen muessten mehr als nur den Klimawandel umfassen,
betonte Hanson und nannte als Beispiele die Abholzung von
Waeldern sowie den uebermaessigen Einsatz von Duengemitteln und
Insektiziden. Er bekraeftigte den Appell an die
LWB-Mitgliedskirchen, “verantwortlich, mutig und kreativ zu
handeln”.  

Auf die Frage nach konkreten Aktionen antwortete der
LWB-Praesident, Engagement sei moeglich auf persoenlicher,
lokaler und nationaler Ebene. Einzelne ChristInnen, Ortsgemeinden
und kirchliche Einrichtungen koennten aktiv werden. “Wir sind
nicht machtlos”, betonte er und merkte an, dass LWB-Mitglieder
anwaltschaftliche Arbeit fuer die Umwelt leisten koennten, indem
sie PolitikerInnen aufforderten, sich fuer Emissionskontrollen
und globale Vertraege einzusetzen. Er kritisierte die
US-amerikanische Regierung wegen ihrer “Arroganz”, die
Unterzeichnung globaler Umweltabkommen zu verweigern.

Menschliche Sexualitaet

Ein weiteres Thema, zu dem Hanson befragt wurde, war die Frage
nach dem Umgang mit Homosexualitaet und ob der LWB dieses Thema
so behandle, dass nicht jede Diskussion bereits im Keim erstickt
werde. Hanson erklaerte mit Bezug auf die LWB-Ratstagung im Maerz
2007 im schwedischen Lund, das LWB-Leitungsgremium habe den
Bericht der LWB-Arbeitsgruppe Ehe, Familie und menschliche
Sexualitaet entgegengenommen. Es habe die LWB-Mitgliedskirchen
ersucht, das Thema in dem Bewusstsein zu diskutieren, dass solche
Gespraeche Auswirkungen auf die Beziehungen mit Menschen in
anderen Kontexten haben koennten.

“Ich glaube nicht, dass es hilfreich ist, wenn der LWB als
Gemeinschaft gerade jetzt Stellung zu Fragen bezieht, die die
Mitgliedskirchen auf der Grundlage der Heiligen Schrift, der
lutherischen Bekenntnisschriften und unserer Theologie und in
unterschiedlichen Lebenssituationen mit unterschiedlichen
Einstellungen zu Ehe, Familie und menschlicher Sexualitaet
diskutieren”, bekraeftigte er.

Hanson fuegte hinzu, die LWB-Mitgliedskirchen wuerden in der
Frage der menschlichen Sexualitaet im Gespraech miteinander
bleiben. “(Wir tun dies) um unseres Zeugnisses in der Welt
willen, unseres Zeugnisses von dem, was im Zentrum unseres
Glaubens steht – die Gute Nachricht von Jesus Christus.” (978
Woerter)

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An der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Arusha
(Tansania) nehmen knapp 80 VertreterInnen von
LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen teil. Darueber
hinaus sind rund 95 weitere Teilnehmende registriert, darunter
DolmetscherInPressevertreterInnen und Stewards. Der 49-koepfige LWB-Rat fuehrt
zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden
Vollversammlungen die Geschaefte des Weltbundes. Er tagt alle 12
bis 18 Monate. Der aktuelle Rat wurde waehrend der Zehnten
LWB-Vollversammlung im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg
gewaehlt. Der Rat besteht aus dem Praesidenten, dem Schatzmeister
sowie Geistlichen und Laien, die ihre Regionen repraesentieren. 

Die gastgebende Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELKT)
ist die zweitgroesste lutherische Kirche in Afrika. Zu den 20
Dioezesen der ELKT gehoeren rund 4,6 Millionen Mitglieder. Die
viertgroesste lutherische Kirche weltweit gehoert seit 1964 zum
LWB. Leitender Bischof der Kirche ist Alex G. Malasusa.

Waehrend der LWB-Ratstagung erreichen Sie das LWB-Buero fuer
Kommunikationsdienste ueber den Mobilfunk-Anschluss: +255/713-480
216.

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Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer
Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er
inzwischen 140 Mitgliedskirchen, denen rund 68,3 Millionen
ChristInnen in 78 Laendern weltweit angehoeren.

Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das
ermoeglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Oekumenischen Rat
der Kirchen (OeRK) und anderen weltweiten christlichen
Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen
in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. oekumenische und
interreligioese Beziehungen, Theologie, humanitaere Hilfe,
Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von
Missions- und Entwicklungsarbeit.

Die LUTHERISCHE WELT-INFORMATION (LWI) wird als
Informationsdienst des Lutherischen Weltbundes (LWB)
herausgegeben. Veroeffentlichtes Material gibt, falls dies nicht
besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder Meinung des LWB
oder seiner Arbeitseinheiten wieder. Die mit “LWI”
gekennzeichneten Beitraege koennen kostenlos mit Quellenangabe
abgedruckt werden. 


Dirk-Michael Groetzsch
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